Agilität ohne Selbstorganisation - geht das?

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23.01.2026
Wie deine Organisation beweglicher wird
 

Vier Prinzipien für mehr Agilität ohne Selbstorganisation

Viele Unternehmerinnen und Unternehmer spüren, dass ihre Organisation an Beweglichkeit verliert. Entscheidungen dauern länger als nötig. Meetings kosten Zeit und Energie. Verantwortung bleibt unscharf.


Vor einiger Zeit sagte eine Geschäftsführerin zu uns: „Ich habe eure Website gelesen und möchte genau das, was ihr beschreibt: eine lebendige Organisation, Mitarbeitende, die Verantwortung übernehmen, effiziente Meetings, und Führung, die mir wieder Freude macht.“ Gleichzeitig war klar: Ihre Organisation war in keiner Weise bereit für Selbstorganisation. Zu abstrakt. Zu aufwendig. Zu weit weg vom eigenen Alltag.


So geht es vielen. Dabei beruht Selbstorganisation auf grundlegenden strukturellen Prinzipien und manche dieser Prinzipien entfalten ihre Wirkung auch dann, wenn eine Organisation bewusst auf Rollenautonomie oder umfassende Organisationsumstellungen verzichtet.

Im Folgenden beschreiben wir vier Prinzipien, die aufeinander aufbauen und Unternehmen helfen können, agiler zu arbeiten – ohne ihre bestehende Organisationsform aufzugeben.


1. Rollen mit Purpose und klarer Verantwortung

Ein erster, oft unterschätzter Hebel ist die Klärung von Verantwortung. Nicht im Sinne vollständiger Neuorganisation, sondern dort, wo Unklarheit im Alltag konkret bremst.


Wenn klar ist, wofür jemand zuständig ist – und wofür nicht –, entsteht Orientierung. Entscheidend ist dabei, dass Verantwortlichkeiten auf einen klar definierten Purpose einzahlen. Erst wenn klar ist, welchen Beitrag ein Verantwortungsbereich zum Ganzen leisten soll, kann jemand eigenständig handeln. Fehlt dieser Purpose, kippt Verantwortung leicht in Unsicherheit oder Aktionismus – und wird dann oft durch Eingreifen von oben wieder eingefangen.


2. Kenngrößen zur Orientierung

Doch Rollenklarheit allein reicht nicht. Damit Arbeit am Purpose wirksam werden kann, braucht sie laufende Orientierung. Hier kommen Kenngrößen ins Spiel. Gemeint sind einfache, nachvollziehbare Bezugspunkte:
Woran sehe ich, dass ich dem Purpose meiner Rolle näher komme?
Woran erkenne ich früh, dass etwas nicht funktioniert?


Solche Kenngrößen stärken Selbststeuerung. Sie machen Arbeit und Arbeitsfortschritte sichtbar und besprechbar. Mitarbeitende müssen nicht auf Rückmeldung warten, ob etwas „gut genug“ war, sondern können selbst einschätzen, ob ihr Beitrag wirksam ist und wie sie ihn noch besser am Purpose ausrichten können.


3. Iteratives Arbeiten als schrittweises Verbessern

Wo Purpose und Orientierung durch Kenngrößen geklärt sind, verändert sich auch die Art zu arbeiten. Statt lange im Voraus festzulegen, was richtig ist, wird Arbeit zu einem Prozess des Herantastens. Iteratives Arbeiten meint dabei etwas sehr Bodenständiges: in überschaubaren Schritten vorzugehen, Annahmen sichtbar zu machen und regelmäßig zu überprüfen, ob der eingeschlagene Weg trägt. Durch Kenngrößen wird dieses schrittweise Verbessern möglich. Entscheidungen müssen nicht perfekt sein - sie müssen überprüfbar und anpassbar sein. So entsteht Beweglichkeit im Hinblick auf den Purpose.


4. Meetings zur Synchronisation der Arbeit

Wenn klar ist, wer wofür verantwortlich ist, woran sich Arbeit orientiert und wie schrittweise verbessert wird, verändert sich auch die Funktion von Meetings. Statt in einem Termin alles gleichzeitig zu besprechen und zu klären, gibt es eine klare Meetingform, die der Synchronisation dient: Arbeitsergebnisse werden zusammengeführt, Abhängigkeiten sichtbar gemacht und nächste Schritte abgestimmt. Inhaltliche Diskussionen, Strategiearbeit oder strukturelle Veränderungen finden separat statt.

Diese Synchronisations-Meetings werden kürzer, fokussierter und entlastender. Sie sind nicht der Ort, an dem Arbeit gemacht wird, sondern der Ort, an dem Arbeit im Hinblick auf Purpose und Kenngrößen miteinander verbunden wird.


Fazit: Agilität ohne Umbau: Wenn Prinzipien ineinandergreifen

Agiler zu arbeiten bedeutet nicht zwangsläufig, die eigene Organisation auf den Kopf zu stellen. In vielen Unternehmen ist schon viel gewonnen, an den entscheidenden strukturellen Punkten anzusetzen – vorausgesetzt, sie greifen ineinander.

Die innere Logik lautet:
Purpose → Orientierung → Verbessern → Abstimmung


Klare Verantwortung mit Purpose, Orientierung durch Kenngrößen, schrittweises Verbessern und gezielte Abstimmung schaffen eine Arbeitslogik, die Beweglichkeit ermöglicht, ohne Stabilität zu verlieren. Sie entlastet Führungskräfte und stärkt Selbststeuerung – auch dort, wo formale Selbstorganisation nicht möglich oder nicht gewollt ist.

Unsere Geschäftsführerin, die sich zu Beginn eine lebendige Organisation wünschte, ist heute einen entscheidenden Schritt weiter. Mit unserer Unterstützung hat sie eine wirksame Purpose-Hierarchie aufgebaut. Verantwortung ist klarer, Entscheidungen leichter. Jetzt richtet sich ihr Blick auf den nächsten Schritt: Welche Kenngrößen geben Orientierung im Hinblick auf die klar formulierten Purposes?

Stehst du an einem ähnlichen Punkt? Willst du Agilität ohne Selbstorganisation umsetzen?
Vielleicht ist nicht die Frage, ob ihr agiler werdet, sondern wo ihr ansetzen könnt, ohne eure Organisation zu überfordern. Wir unterstützen dabei, Verantwortung, Purpose und Meetings wirksam zu gestalten.